Donnerstag, 30. September 2010
Erste Eindrücke
Moin allerseits,

hab mich nun doch entschieden mal ein bißchen über meinen England-Aufenthalt zu bloggen. Da ich schon 2,5 Wochen hier bin und so einiges passiert ist, werd ich mich kurz fassen.

Hier zunächst mal die größten Überraschungen/Schocks, die mir begegnet sind:

- britische outfits: Auch wenn Frauke mich schon darauf vorbereitet hatten, dass englische Mädchen gerne mal kurze Röcke tragen: In dieser Form hatte ich es nicht erwartet. Der Abenddress der meisten, würde einer deutschen Prostituierten die schamesröte ins Gesicht treiben. Wer jetzt denkt: "hm, hört sich gar nicht so schlecht an...", der sei gewarnt, denn das Outfit wird in allen, ich betone ALLEN Gewichtklassen getragen!

- In Australien trinkt keine Sau Fosters: so isses... haben mir alle Australier, die ich hier kennengelernt hab, bestätigt. Die trinken hier zum ersten mal Fosters in ihrem Leben. Mein Weltbild ist ein wenig erschüttert.

- Englisches Essen schmeckt gut: Ich konnte mich bißher noch über keine Mahlzeit beschweren. Im Gegenteil: Das typisch englische Frühstück, dass in diversen Bars serviert wird, ist hervorragend. Fish and Chips hab ich auch schon gegessen. War sehr fad, aber schlecht wars nicht.

- Englisches Bier schmeckt nicht: Endlich mal ein Klischee, dass zutrifft. Hab letzte Woche an einem Biertest teilgenommen, bei dem es 5 verschiedene englische Biere gab. Ich glaub der einzige Grund, dass ich nicht gekotzt habe war, dass mein Körper nicht nocheinmal diesen Geschmack erleiden wollte. Auch Carling hab ich probiert. Hätte nicht gedacht, dass es etwas gibt, dass noch mehr nach Wasser schmeckt als Wasser selbst. Es gibt hier zum Glück genug normale Biersorten aus anderen Ländern... achja, Carlsberg is auch ganz in Ordnung. Werd vllt demnächst noch mehr über Bier schreiben. Ist ein schönes Thema...

Soviel erst mal dazu. In der ersten Woche hier nahm ich an einer Orientierungswoche für internationale Studenten teil. Im Schnelldurchlauf: Viele, viele nette Leute kennen gelernt und viel gefeiert/getrunken.

Woche zwei war die Intro Week: Da ich die meisten Infos schon aus der Orientierungswoche kannte, bestand diese Woche aus - wer hätte das gedacht - noch mehr Leute kennenlernen und feiern/trinken. (ich habe es übrigens nach grandiosen 14 Tagen geschafft, keinen Alkohol zu trinken. Die letzten Tage war das mehr Arbeit als Spaß). In dieser Woche musste man sich auch für die Uni registrieren. Eine gute Überleitung zu den größten Aufregern, die mir hier begegnet sind:

- Registrierung: Zunächst einmal: Ich hatte Glück, dass ich nicht sehr lange warten musste, weil ich mit dem Anfangsbuchstaben H im Nachnamen in der ersten von drei Schichten war. Ab dem Buchstaben K musste man später kommen und sich in die bereits vorhandene Schlange einreihen. Andere Erasmus-Studenten hatten eine Wartezeit von mehr als 2,5 Stunden (wohlgemerkt in einer Schlange außerhalb des Gebäudes). Insofern also schon mal nervig, aber der eigentliche Hammer kommt noch. Als Erasmus-Student muss man im gegensatz zu den anderen Studenten keine Studiengebühren zahlen. Für die "normalen" Studenten war die Registrierung einen Tag vorher. Und da waren die Wartezeiten über 4 Stunden! Ich würde ausrasten, wenn ich pro Jahr umgerechnet fast 4000 Euro Studiengebühren zahlen müsste und die es nicht einmal gebacken bekommen, die Immatrikulation ordentlich zu organisieren. Noch schlimmer ist, dass wenn man endlich an der Reihe ist, ein Typ ein Online-Formular(!!!) ausfüllt, was ich selbst oder ein gut ausgebildeter Schimpanse ebenfalls hätte erledigen können.

- Feueralarm: Ich machs kurz: In diesem Studentenwohnheim wird jede Woche der Feueralarm getestet. Wer jetzt zu faul ist sich den Satz nochmal durchzulesen, weil er es nicht glauben kann: JA, JEDE WOCHE. In meinem Haus ist es mitten in der nacht um 10 uhr morgens ;). Ich weiß nicht, wie blöd man sein kann, dass einem dabei nicht auffällt, dass diese inflationäre Verwendung des Feueralarms zwingend dazu führt, dass einfach NIEMAND mehr den Feueralarm ernst nimmt. Ich werde mir jedenfalls jede Woche den Wecker auf 9.59 Uhr stellen, warten bis der Feueralarm beginnt, kurz schnuppern, ob es verbrannt riecht und weiterschlafen. Hab Dienstags erst um 14 Uhr Uni.

- Stasi: Nicht nur, dass hier einfach überall Überwachungskameras sind, was schon nervig genug ist... nein, diese Stasi-Briten wollen auch zweimal im Semster meine Wohnung besichtigen, ob auch alles sauber ist. Bei der Gemeinschaftsküche ist das ja durchaus OK, da es für diese auch eine Putzfrau gibt, aber MEIN ZIMMER!? AM ARSCH! Da hilft es auch nicht, dass der Besuch angekündigt wird. Ich bin bereits mit den anderen am Diskutieren, wie man am besten dagegen vorgehen kann (Wüst beschimfen und verprügeln ist natürlich eine Möglichkeit, aber wir suchen nach einer etwas stilvolleren option). Die bisher beste Lösung besteht darin, einfach nackt im Zimmer zu sitzen und den Besuch höflich zu empfangen. Die Idee ist aber wohl noch Ausbaufähig. Ich werde darüber berichten...

Mein Zimmer ist übrigens ungefähr so groß, wie das in Dortmund. Nur das ich hier ein eigenes Bad hab. Hier mal ein Foto vom Zimmer:

vom Bad:

und von der Luxusküche (für Studentenverhältnisse)

mit den zwei schönen Sofas:


Mitbewohner sind auch sehr gut. Wohne mit zwei Deutschen, einem Holländer und zwei Italienern zusammen. Aber ich denke mal, bis zu diesem Punkt haben sowieso nur die wenigsten gelesen, daher belasse ich es jetzt mal dabei und mache in den nächsten Tage weitere Einträge... bis dann

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